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Track 13: We’re nowhere and it’s now
~Bright eyes




Er müsste salzig schmecken, fuhr es mir durch den Kopf, als ich Bills Ausatmen an meinen Lippen spürte und sich sein Mund dabei ein Stück öffnete. Meine Zungenspitze berührte scheu die weiche Fläche von Bills Unterlippe; tatsächlich erfassten meine Sinnesorgane einzelne Salzkristalle, die von den noch eben gegessenen Chips herrührten. Mein Herz setzte bei der Empfindung, welche dieser Sinneseindruck in mir auslöste, für einen Moment aus und ich hielt berauscht die Luft an; vor meinem inneren Auge sah ich plötzlich Bills dunkle Augen, halboffen und offensichtlich nicht mehr ganz klar bei Bewusstsein mich beobachten, sein Mund ein Stück offen, die Lippen feucht glänzend und gerötet; ich spürte seinen Herzschlag direkt an mir, in mir, als seine Finger ganz leicht zitternd meine Gesichtszüge nachfuhren, um mich danach wieder seine Lippen schmecken zu lassen; sein unverwechselbarer Geschmack vermischt mit Alkohol... Moment, Alkohol?

Erschrocken zuckte ich zurück, als mir klar wurde, mich wieder an einen Ausschnitt von gestern Abend erinnert zu haben.

Bills weit aufgerissene Augen, im Halbdunkel des Zeltes deutlich sichtbar, begrüssten mich im Hier und Jetzt und mir wurde jetzt erst wieder bewusst, meinen Bruder (schon wieder?!) geküsst zu haben. Was ging hier denn ab?!

„Tschuldigung“, sagte ich hohl und aus Reflex; ich hatte das dumpfe Gefühl grad wie ein völlig Geistesgestörter auszusehen.

„Was?“ Bill blinzelte, starrte mich dann wieder, wie mir schien, fassungslos an.

„Tut mir leid, dass ich dich.. äh.. geküsst hab“, stammelte ich selber erschrocken über meine hohe Stimme.

Mein Bruder starrte mich einen Moment schweigend an, als ob er einschätzend wollte, wie ich das meinte, bevor er sich mit einer, wie mir schien, leicht zitternden Hand durch die Haare fuhr.
„Kein Problem.“

„Nein ..?“ Hä?

„Du bist halt ein Idiot, ich bin’s gewohnt.“ Bills Augen verließen wieder mein Gesicht, als mein Bruder sich ein Stück aufsetzte, und den Schlafsack öffnete, um drunter zu kriechen und sich von mir weg zu drehen. „Gute Nacht.“

HÄ?! Was bitte?!

„Ich hab dich geküsst“, sagte ich zu Bills Rücken. „Ey..! Ich hab dich geküsst! Das mach ich doch sonst nie!“ Konnte er mir das mal erklären?!

Bill schnaubte und ich spürte Ärger in mir hochkochen.
Vielleicht wäre es logischer gewesen diese Situation einfach auf sich beruhen zu lassen, erst einmal eine Nacht drüber zu schlafen; aber ey, als ob ich jetzt noch schlafen konnte! Als ob Bill morgen nicht wieder so ätzend zu mir sein würde wie heute, wenn ich das auf sich beruhen lassen und es zu einer unglaublichen Peinlichkeit werden lassen würde!
Wozu waren wir uns sonst immer so nah und ehrlich zueinander, wenn wir uns jetzt wegen so einem Mist voreinander schämen würden?!

„War das brüderlich?“, fragte ich den Rücken meines Bruders und gleichzeitig mich selbst. Wie hatte ich das gemeint? Hatte ich mir überhaupt irgendwas dabei gedacht, als ich mich zu ihm vorgelehnt hatte? Ey, ich war echt verwirrt grad.

„Hast du schon mal Brüder gesehen, die sich küssen?“, murrte Bill in die Dunkelheit.

„Ja, aber wir waren schon immer irgendwie anders“, gab ich zu bedenken. Mir kam plötzlich ein Gedanke. „Bist du in mich verliebt?“

„NEIN!“ Nun drehte Bill sich endlich zu mir herum; wütend blinzelte er mich an. „Wie kommst du jetzt auf den Scheiss?! Bist du etwa in mich verliebt?!“ Irgendwie hatte ich das Gefühl in seiner Stimme schwänge eine Spur Ängstlichkeit mit.

„Nein!“, stritt ich sofort, völlig meinem Reflex folgend, ab.

„Wieso hast du mich dann geküsst?!“, fuhr mein Bruder mich an. „DU hast damit angefangen!“

„Weiss ich doch nicht, ey! Das kam mir halt logisch vor!“

„Wie bescheuert bist du eigentlich?!“

„Du hättest ja nicht mitmachen brauchen!“

„Hab ich auch nicht!“

“Hast du wohl!“

„Hab ich nicht!“

Frustriert schnappte ich mir mein Kissen und schmiss es meinem Bruder mit aller Kraft mitten ins Gesicht.

„AU!!“, wütend sprang Bill nun, soviel es im niedrigen Zelt möglich war, auf; das Kissen zusammengeknüllt in der Hand. „Bist du total scheisse, oder was?!“ In der nächsten Bewegung stürzte er sich plötzlich auf mich, das Kissen als Schlagstock benutzend.
Ehe ich mich versehen konnte, lag ich auf dem Rücken, mein Bruder über mir kniend und auf mich einschlagend.
Was bitte war denn jetzt schon wieder in den gefahren?! Bill schlug wie von Sinnen mit dem armen Kissen auf mich ein und ich hatte Mühe mein Gesicht mit den verschränkten Armen zu schützen. Ey, konnte dem mal einer ’ne Beruhigungsspritze geben?!!

„Was ist das für ein Krach da hinten?!“, ertönte plötzlich Franz’ Stimme von draussen und Bill gefror in der Bewegung. Ich nutze die Gelegenheit, um meinen Bruder zu packen und runter zu reißen; unsere Positionen wechselten, sodass er nun unter mir lag und ich mein Bestes tat, um ihn still zu halten, denn mein idiotischer Bruder schlug immer noch wie wild geworden um sich.

„Lass mich los!! Lass deine Finger von mir, Tom!!“, zischte Bill wutentbrannt; er schaffte es seinen Arm freizubekommen und holte aus; ich konnte nicht mehr rechtzeitig ausweichen – das Nächste, was ich wahrnahm waren Sterne und ein stechender Schmerz in der Nase.


Ich öffnete die Augen, von denen ich gar nicht gewusst hatte, dass ich sie geschlossen hatte und stellte fest, auf dem Rücken zu liegen. Ich blinzelte, als etwas Kaltes mein Kinn traf und daran herunterrollte.
Regnete es?
Benommen hob ich die Hand zu meinem Gesicht; dumpf stießen meine Finger gegen Bills kalte Hand, die etwas Weiches an meine Nase hielt. Was zum ..?

„Es tut mir leid. Scheisse, es tut mir so leid.“

Bill weinte. Diese Erkenntnis traf mich, bevor meine Augen sein Gesicht in der Dunkelheit ausmachen konnten; seine Augen glänzten vor Tränen und auf seinen Wangen konnte ich Spuren der salzigen Feuchtigkeit erkennen.

„Warum weinst du?“ Meine Fingerspitzen erreichten seine erhitzte Wange, um auf ihr hochzuwandern bis zu den verklebten Wimpern.

„Tu ich nicht“, schniefte mein Bruder. Ich wollte ihn in den Arm nehmen. „Mir geht’s gut.“

Er wischte vorsichtig mit dem weichen Stoff, das vermutlich ein Taschentuch war, über meine Nase. „Es hat aufgehört zu bluten“, sagte er schwach. Seine Lippen zitterten ein wenig, als wäre ihm kalt.

Hatte ich Nasenbluten gehabt? War ich einen Moment ohnmächtig gewesen?

„Es tut mir so leid, Tom. Ich wollte dich nicht schlagen. Ich bin so ein Idiot, es tut mir so leid.“

Ich streckte meine Arme nach ihm aus; Bill schluchzte auf; meine Finger verhakten sich im Stoff seines T-Shirts und zogen ihn an mich.

Seine Lippen waren kalt und nass und zitterten tatsächlich, als ich meinen Bruder sanft küsste.
Warum ich das tat? Ich hatte keine Ahnung.
Was war zwischen uns verändert? Was war in uns verändert?
Es kam mir einfach so richtig vor, ihm auf dieser Art und Weise meine Zuneigung zu zeigen.
War das falsch?
Tröstete es ihn? Oder machte es das alles nur noch schlimmer?

Bills Tränen versiegten nach dem dritten stummen Aufeinanderdrücken unserer Lippen, was blieb war das gegenseitige leise, etwas zittrige Atmen, das in den Raum aufstieg und uns einhüllte. Seine Arme schlichen sich um meinen Oberkörper, als er seinen Kopf auf meine Brust legte und tief ausatmete.
Mein Herz pochte hart gegen meinen Brustkorb und ich war mir sicher, dass Bill es hörte, doch er sagte nichts. Meine Finger strichen langsam durch seine Haare und ich hatte mich noch nie so haltlos gefühlt.

Meine Augen brannten so sehr.
Was war das? Was war das in mir?


--
10.3.07 12:19


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